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Nachhaltigkeit 18. Dezember 2019

Nicht mehr als ein Signal für Ambitionen

 

Um was es geht, ist eigentlich ganz klar: Die Erderwärmung darf nicht in dem Maße voranschreiten, wie es in den vergangenen Dekaden der Fall war, sonst drohen katastrophale Klimaveränderungen. Das sagen uns zumindest fast alle Wissenschaftler auf diesem Planeten.

Schlussfolgerungen unterschiedlich

Aber nicht alle, die Verantwortung tragen, ziehen daraus die gleichen Konsequenzen. Während die frischgebackene EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in der spanischen Hauptstadt zum ganz großen Schlag ausholte und ankündigte, die EU bis 2050 klimaneutral machen zu wollen, sind andere viel zögerlicher. Selbst innerhalb der Europäischen Staatenfamilie gibt es zahlreiche Kopfschüttler. Polen zum Beispiel. Man denke nicht im Traum daran, sich von der guten polnischen Braunkohle zu verabschieden, heißt es aus Delegationskreisen. Ähnliches kommt aus Tschechien, Ungarn, Rumänien oder Bulgarien. Insofern weiß heute niemand genau, wie erfolgreich die ehemalige deutsche Verteidigungsministerin bei ihrer EU-Mission sein wird.

Bildquelle: Spiegel Online Bildquelle: Spiegel Online

China und die USA bleiben skeptisch

Auch die weltweit größten Kohlendioxid-Emittenten, die USA und China, sind keineswegs überzeugt. US-Präsident Donald Trump wendet sich fast schon pathetisch gegen die seiner Ansicht nach vollkommen überzogene Klimahysterie. Schwankende Temperaturen auf der Erde habe es immer schon gegeben, heißt es bei ihm kurz. Und ob der Mensch überhaupt damit zu tun habe, sei aus seiner Sicht noch lange nicht ausgemacht. Ganz so weit geht der chinesische Staatspräsident Xi Jinping nicht. Er ist durchaus der Meinung, die Gefahren durch die Klimaerwärmung müssten weltweit ernst genommen werden. Aber das Wachstum seines Landes dürfe dadurch keinesfalls tangiert werden, lautet derzeit die chinesische Lesart. Angesichts aktuell 1,4 Milliarden Chinesen mit fast 30prozentigem Anteil am weltweiten CO-2-Ausstoss klingen solche Äußerungen wenig konsequent.

Deutschland will die Energiewende

Wenige der fast 200 Staaten, die in Madrid über das Klima diskutieren, wollen neue Konzepte so nachdrücklich wie die Deutschen. Das zeigen auch alle repräsentativen Umfragen in der Bevölkerung in den vergangenen fünf Jahren. Mehr als zwei Drittel der Deutschen sind überzeugt: Wir müssen beim Klimaschutz mehr tun. Viele kommunale Versorger, wie die Stadtwerke Soest, teilen diese Verantwortung und setzen alles daran, mehr Nachhaltigkeit in die Energiewirtschaft zu bringen. Auch die Politik steht an ihrer Seite. Zumindest wenn es darum geht, die richtigen Worte zu finden.

Fotografie: Markus Spiske - Unsplash Fotografie: Markus Spiske - Unsplash

Greta Thunberg zweifelt

Dass Überzeugung und Durchsetzungswillen fehlen, das moniert seit Monaten die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg. Sie ist ebenfalls nach Madrid gereist. Aber sie zweifelt. Worte schützen kein Klima, raunt sie den Mächtigen zu. Sie fordert Taten. Sie weist darauf hin, dass die Zeit abläuft. Die Soziologie hat mittlerweile einen neuen Begriff gefunden: „Attitude-Behaviour-Gap“ nennen es die Wissenschaftler, wenn Einstellung und Verhalten nicht zusammenpassen. Am Ende bleibt die Madrider Konferenz trotz Überstunden ohne klares Ergebnis. Müde Delegierte erreichen einen müden Kompromiss. Der gemeinsame Nenner ist ebenso nichtssagend wie bedeutungslos: Die Konferenz sei ein Signal für mehr Ambitionen, so ein Teilnehmer. Dem Weltklima wird das nicht ausreichen.

 

Fotografie Header: Edificio Metropoli, Gran vía 

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