Für wen eignet sich ein dynamischer Tarif?
Besonders für Haushalte mit Wärmepumpe, Batteriespeicher oder E-Autos.
Von der Einführung und Nutzung dynamischer Tarife können grundsätzlich alle profitieren, weil dadurch die Systemkosten und damit das durchschnittliche Strompreisniveau gesenkt werden können. Besonders eignen sich diese Tarife für Haushalte, die neben einem intelligenten Messsystem und einem Energiemanagementsystem große haushaltsnahe Elektrogeräte wie
Wärmepumpen,
Heimspeicher oder
E-Autos nutzen.
Diese eignen sich besonders, um die Stromnachfrage zu flexibilisieren und dadurch das Stromsystem zu entlasten. Durch flexible Elektrogeräte können Haushalte von günstigeren Strompreisen profitieren.
Für Haushalte ohne große Flexibilitätsoptionen bzw. ohne die Möglichkeit, ihren Verbrauch zu bestimmten Zeiten zu verschieben, können klassische Tarife mit festem Arbeitspreis die bessere Wahl sein. Wir halten es daher für zielführend, dass zukünftig zwischen klassischem und dynamischem Tarif gewählt werden kann. Wem es gelingt, große Lasten wie z. B. das Laden des Elektroautos oder die Nutzung der Wärmepumpe in Zeiten mit geringen Strompreisen zu verschieben, der profitiert am Ende von dynamischen Stromtarifen.
Hat der dynamische Tarif auch Risiken?
Ja. Bei einem dynamischen Tarif schließen Sie keinen festen Strompreis je kWh ab. Der Strompreis entspricht dem stündlichen Spotmarktpreis an der Börse. Dieser kann im Tagesverlauf um mehrere Cent pro kWh schwanken. Verbraucherinnen und Verbraucher tragen somit das volle Risiko, wenn die Preise am Energiemarkt ansteigen. Auch bei hohen Börsenstrompreisen gibt es einen gewissen Basisverbrauch, durch Geräte, die nicht abgeschaltet werden können. Im Haushalt sind dies z.B. Kühlgeräte, Computer, Beleuchtung etc. Deshalb sollte der Börsenstrompreis regelmäßig und eigenständig kontrolliert werden.
Wo kann ich die Spotmarktpreise einsehen?
In Kürze bequem in unserer App Soest:dynamisch.
An der europäischen Energiebörse (EEX Spot Day-Ahead, auch Spotmarkt genannt) werden Strommengen gehandelt, die am nächsten Tag geliefert werden können. Der Spotmarktpreis, der dort entsteht, basiert auf Angebot und Nachfrage und unterliegt entsprechenden Schwankungen. Dieser Preis wird stündlich ermittelt und am Mittag eines jeden Tages für den Folgetag veröffentlicht.
Die aktuellen Spotmarktpreise finden Sie auf der offiziellen Website der EPEX Spot SE im Reiter "MARKET DATA", Menüpunkt "Market Results". Nutzen Sie dort die Filter "Auction", "Day-Ahead", "60 min", "Table" und "DE-LU", um die für Sie relevanten Preise zu erhalten.
Alternativ sind die stundenaktuellen Spotmarktpreise derzeit auch auf der Website www.netztransparenz.de abgebildet.
Welche technischen Voraussetzungen gibt es?
Um den dynamischen Tarif nutzen zu können, muss bei Ihnen bereits ein intelligentes Messsystem (iMSys), ein sog. Smart Meter, verbaut worden sein.
Was ist ein intelligentes Messsystem (iMSys)?
Eine Kombination aus einem digitalen Stromzähler und einem Kommunikationsmodul.
Ein intelligentes Messsystem besteht aus einem digitalen Stromzähler, auch "moderne Messeinrichtung" genannt und einem Kommunikationsmodul, auch "Smart-Meter-Gateway" genannt.
Das intelligente Messsystem erfasst den Stromverbrauch alle 15 Minuten und sendet die Daten über eine gesicherte Internetschnittstelle täglich an den Betreiber des Stromnetzes und den Energielieferanten. Das Gerät muss am Hausanschluss eingebaut werden.
Verfügt Ihr Stromzähler über die beiden oben aufgeführten Bestandteile, haben Sie ein iMSys. Verfügt Ihr Zähler nur über eine digitale Zählerstands-Anzeige, haben Sie zwar einen digitalen bzw. elektrischen Stromzähler, aber kein iMSys. Verfügt Ihr Stromzähler weder über eine digitale Zählerstands-Anzeige noch über eine Kommunikationseinheit, sondern ein schwarzes Gerät mit Drehscheibe, dann verfügen Sie noch über einen mechanischen Ferraris-Zähler und nicht über ein iMSys.
Von wem erhalte ich ein iMSys?
In der Regel von Ihrem örtlichen Netz- und Messstellenbetreiber.
Zuständig für Einbau, Messung und technischen Betrieb eines intelligenten Messsystems ist Ihr "grundzuständiger" Messstellenbetreiber (i. d. R. der örtliche Netzbetreiber). Sie können aber auch einen wettbewerblichen Messstellenbetreiber individuell beauftragten.
Die Messstellenbetreiber sind Unternehmen, die Zähler einbauen, warten und betreiben. Meist ist Ihr Messstellenbetreiber auch der Netzbetreiber bzw. Ihr örtliches Stadtwerk - so wie wir.
Aktuell haben nur Haushalte mit einem sehr hohen Stromverbrauch von über 6.000 Kilowattstunden pro Jahr, einer Photovoltaikanlage, einer steuerbaren Nachtspeicherheizung oder einer Wärmepumpe gesetzlichen Anspruch auf ein iMSys. Auch wenn Sie nicht zu diesem Personenkreis gehören, können Sie ein iMSys anfragen.