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15. Dezember 2023

Probst Dietmar Röttger, Leiter des Pastoralen Raumes Soest und die Magischen 13

 

Kurzvita

Dietmar Röttger ist seit dem 1. Februar 2018 Propst in Soest und leitet den Pastoralen Raum Soest mit den katholischen Pfarrgemeinden in den Kommunen Bad Sassendorf, Möhnesee und Soest. Er wurde 1993 zum Priester geweiht und war nach seelsorglichen Tätigkeiten im Kreis Höxter für 13 Jahre Pfarrer in der Pfarrei St. Petri Hüsten im Sauerland. Vor seiner Ankunft in Soest hatte er ein pastorales Kundschafter-Jahr im US-amerikanischen Erzbistum Chicago und im französischen Parthenay (Erzbistum Poitiers) verbracht. Im April 2021 wurde Diemar Röttger von den wahlberechtigten Seelsorgerinnen und Seelsorgern im Dekanat Hellweg für die Amtszeit von fünf Jahren zum Dechanten gewählt. 

 

1. Wie beginnt bei mir ein guter Morgen?

Mit dem Morgengebet, einer Zeit der Bibelbetrachtung und einem Frühstück (samstags mit frischem Croissant), bei dem ich die Zeitung querlesen kann. 

2. Den ersten Kontakt zum Glauben und zur Kirche hatte ich...?

… in meiner Familie, die im kirchlichen Leben fest verankert war und in der auch zu Hause gebetet und die Bräuche zu den christlichen Feiertagen gepflegt wurden.

3. Nach fast 30 Jahren als Seelsorger habe ich gelernt, dass…?

… dass es im Leben nichts gibt, was es nicht gibt. Gelernt habe ich einen großen Respekt und auch Bewunderung für Menschen, die manchmal schwere Lasten mit großer innerer Kraft und Glaubenszuversicht tragen. Von ihnen habe ich schon viel gelernt. 

4. Wenn ich an Soest denke, fällt mir als erstes ein...?

.. die Skyline mit den vielen Kirchtürmen und natürlich die Allerheiligen-Kirmes.

5. Der Advent und die Weihnachtszeit bedeuten für mich…?

… die Einladung bei aller Geschäftigkeit immer wieder innezuhalten und auszuschauen, wo Gott mir in dieser Welt entgegenkommt. Die Erinnerung daran, die Verbindung mit Menschen, die mir wichtig sind, zu pflegen und das Geschenk, einen wunderschönen Weihnachtsmarkt direkt vor der Tür zu haben.

6. Meine aufregendste Reise bisher war…?

… 2020 nach Australien, bei der ich durch den beginnenden Corona-Lockdown des internationalen Flugverkehrs für 14 Tage in Melbourne gestrandet bin.

7. An Menschen imponiert mir besonders…?

… wenn sie trotz großer Herausforderungen im Leben die Zuversicht nicht verlieren und nach vorne schauen.

8. Im Leben macht es mich rasend, wenn...?

… ich Gewalt in Worten und Taten begegne, wenn Menschen taktieren und intrigieren.

9. Kriege in Gaza und der Ukraine erschüttern uns. Wie ist Ihre persönliche Meinung zu den Konflikten in der Welt…?

… ich erlebe dabei eine große persönliche Ohnmacht und ein immer neues Erschrecken über das, was Menschen einander antun können. Gleichzeitig spornt es mich an im Radius meiner Möglichkeiten, Menschen zu verbinden, Frieden zu stiften, Hilfe zu leisten und zu beten.

10. Der beste Feierabend ist der, an dem ich …? 

… eine Runde am Ufer des Möhnesees drehen kann oder mich der Musik hörend oder singend widmen kann.

11. Die Faszination Christi ist auch zweitausend Jahre nach dem Gebot von Kaiser Augustus lebendig, denn…?

… wir können die frohe Botschaft, dass Gott uns Menschen liebt und begleitet immer noch gut gebrauchen; denn Jesu Worte und Taten sind immer noch faszinierend und legen eine Spur zum Leben, die kein Tod vernichten kann. So kann man im Leben nicht verzweifeln.

12. Als ich klein war, da war mein Traumberuf…? 

… Zirkusdirektor – und manchmal hat die Arbeit als Pfarrer auch Facetten davon …

13. Der schönste Platz in Soest ist aus meiner Sicht...?

… die Krypta im St. Patrokli-Dom
 

 


Gedanken zu Weihnachten
 

Von Probst Dietmar Röttger
 

Wir haben in uns eine tiefe Sehnsucht nach einer heilen Welt. Das betrifft unser persönliches Leben, wie auch die gesamte Welt. Je weniger diese erfahren wird, umso stärker wird die Sehnsucht. Ich nehme wahr, dass diese Sehnsucht angesichts der vielen Krisen zurzeit recht stark ist. Das Sehnen ist ein Suchen, das an Weihnachten mit vielen Bildern einer heilen, liebevollen, lichten Umgebung genährt wird. Die Werbung und Geschichten sind voll davon. Dabei wird oft eine Schein-Welt oder eine Art Sonder-Welt erzeugt. 

An Weihnachten geht es aber gerade nicht um eine Schein-Welt in die wir fliehen. Es geht um die konkrete Welt so wie sie eben ist, in der wir leben. Es geht um die Botschaft, dass Gott sich auf diese Welt einlässt und den Menschen darin nicht alleinlässt – aus Liebe zum Menschen. Die Liebe macht die Welt heil, selbst wenn die äußerer Wirklichkeit Unheil erfahren lässt. Das spiegelt sich in der biblischen Erzählung von Weihnachten wider. Eltern, die in äußerer Verlassenheit ihr Kind mit Liebe betrachten, halten und für es kämpfen; Hirten als Menschen am Rand der Gesellschaft, die auf einmal gesehen werden; Reisende aus aller Welt, die bringen dürfen, was sie im Gepäck haben und es als Geschenk angenommen wird; ein Himmel, der sich öffnet, weil ein neues Leben in Liebe und Hoffnung beginnt. 

Diese heilen Momente sind die wahren Geschenke von Weihnachten, die wie Lichtpunkte in einer dunklen Welt leuchten. Sie haben ihren Grund in dem Geschenk Gottes, der sich in Jesus auf diese Welt mit allem Licht und Schatten einlässt. Ich wünsche allen diese heilen Licht-Momente und die echte Freude daran. In ihnen fällt ein Stück Himmel auf die Erde.